Hans Nathan: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Hans Nathan'''  (* [[2. Dezember]] [[1900]] in [[Görlitz]]; † [[12. September]] [[1971]] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin]) war ein deutscher Rechtsanwalt und Rechtswissenschaftler und ist Ehrenbürger von Görlitz.
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'''Hans Nathan'''  (* [[2. Dezember]] [[1900]] in [[Görlitz]]; † [[12. September]] [[1971]] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin]) war ein deutscher Rechtsanwalt und Rechtswissenschaftler und ist [[Ehrenbürger]] von Görlitz.
  
 
== Leben und Wirken ==
 
== Leben und Wirken ==
Er wurde als Sohn des Görlitzer Rechtsanwalts Albert Nathan geboren. Von 1919 bis 1922 studierte Hans Nathan Rechtswissenschaften, zuletzt in Breslau, wo er 1921 zum "Dr. jur." promoviert wurde. Nach Mitarbeit in der väterlichen Anwaltspraxis arbeitete Nathan bis zu seiner Emigration 1933 als selbständiger Rechtsanwalt in seiner Geburtsstadt am [[Postplatz]] Nr. 6 in der Villa seines Vaters mit ihm und einem weiteren Anwalt, der wie Albert Nathan auch Notar war, in einer Bürogemeinschaft im Parterre des  dreistöckigen Hauses. Während sein Vater in der Villa am Postplatz wohnte, hatte Sohn Hans Nathan mit seiner Familie, bestehend aus seiner Ehefrau und zwei Töchtern, eine Mietwohnung in der Blumenstraße 58 genommen, bei dem die Evangelisch-Reformierte Gemeinde die Eigentümerin war. Von 1928 bis 1933 war er Mitglied einer bürgerlichen Partei, der DDP.  Wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierte er nach Machtantritt der Nationalsozialisten mit seiner Familie zunächst nach Prag und 1939 nach Großbritannien, wo er 1940 als deutscher Staatsangehöriger für drei Monate interniert wurde. In der Verkehrsverwaltung von Manchester fand er zuletzt eine Arbeit als Angestellter. Während seiner Emigrationszeit engagierte sich Nathan politisch. Beispielsweise war er Mitbegründer einer Gruppe des "Nationalkomitees Freies Deutschland" (NKFD) in Manchester.
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Er wurde als Sohn des Görlitzer Rechtsanwalts und Notars Albert Nathan geboren. Von [[1919]] bis [[1922]] studierte Hans Nathan Rechtswissenschaften, zuletzt in Breslau, wo er [[1921]] zum "Dr. jur." promoviert wurde. Nach Mitarbeit in der väterlichen Anwaltspraxis arbeitete Nathan bis zu seiner Emigration [[1933]] als selbständiger Rechtsanwalt am [[Postplatz]] Nr. 6 in der Villa seines Vaters mit ihm und einem weiteren Anwalt und Notar, in einer Bürogemeinschaft im Parterre des  dreistöckigen Hauses. Während sein Vater in der Villa am Postplatz wohnte, hatte Sohn Hans Nathan mit seiner Familie, bestehend aus seiner Ehefrau und zwei Töchtern, eine Mietwohnung in der [[Blumenstraße]] 58 genommen, bei dem die Evangelisch-Reformierte Gemeinde die Eigentümerin war. Von [[1928]] bis 1933 war er Mitglied einer bürgerlichen Partei, der DDP.  Wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierte er nach Machtantritt der Nationalsozialisten mit seiner Familie zunächst nach Prag und [[1939]] nach Großbritannien, wo er [[1940]] als deutscher Staatsangehöriger für drei Monate interniert wurde. In der Verkehrsverwaltung von Manchester fand er zuletzt eine Arbeit als Angestellter. Während seiner Emigrationszeit engagierte sich Nathan politisch. Beispielsweise war er Mitbegründer einer Gruppe des "Nationalkomitees Freies Deutschland" (NKFD) in Manchester.
  
Im September 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Ost-Berlin nieder, wo er Mitglied der SED wurde. Als Jurist fand er eine Tätigkeit in der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz und wurde nach Gründung der DDR Leiter der "Hauptabteilung Gesetzgebung" im Ministerium für Justiz und Präsident des Justizprüfungsamtes für den juristischen Nachwuchs in der DDR. Kurzzeitig leitete er die Fachzeitschrift "Neue Justiz" als Chefredakteur. Sein Ausscheiden aus dem Justizministerium der DDR 1952 wird aus heutiger Sicht unter anderem wegen seiner familiären Bindungen ins westliche Ausland (Großbritannien; USA) und nach West-Berlin begründet. Im selben Jahr wurde Nathan ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Zivilrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). In den Jahren 1954 bis 1962 bekleidete er das Amt des Dekans der Juristischen Fakultät der HU. Vor seiner Emeritierung 1966 leitete der Universitätsprofessor das von ihm 1963 gegründete Institut für Erfinder- und Urheberrecht.
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Im September [[1946]] kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Ost-Berlin nieder, wo er Mitglied der SED wurde. Als Jurist fand er eine Tätigkeit in der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz und wurde nach Gründung der DDR Leiter der "Hauptabteilung Gesetzgebung" im Ministerium für Justiz und Präsident des Justizprüfungsamtes für den juristischen Nachwuchs in der DDR. Kurzzeitig leitete er die Fachzeitschrift "Neue Justiz" als Chefredakteur. Sein Ausscheiden aus dem Justizministerium der DDR [[1952]] wird aus heutiger Sicht unter anderem wegen seiner familiären Bindungen ins westliche Ausland (Großbritannien; USA) und nach West-Berlin begründet. Im selben Jahr wurde Nathan ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Zivilrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). In den Jahren [[1954]] bis [[1962]] bekleidete er das Amt des Dekans der Juristischen Fakultät der HU. Vor seiner Emeritierung 1966 leitete der Universitätsprofessor das von ihm [[1963]] gegründete Institut für Erfinder- und Urheberrecht.
In seinem Sterbejahr 1971 wurde er Ehrenbürger von Görlitz.  
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In seinem Sterbejahr [[1971]] wurde er Ehrenbürger von Görlitz.  
  
 
== Literatur ==
 
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Aktuelle Version vom 9. Juni 2019, 10:02 Uhr

Hans Nathan (* 2. Dezember 1900 in Görlitz; † 12. September 1971 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt und Rechtswissenschaftler und ist Ehrenbürger von Görlitz.

Leben und Wirken

Er wurde als Sohn des Görlitzer Rechtsanwalts und Notars Albert Nathan geboren. Von 1919 bis 1922 studierte Hans Nathan Rechtswissenschaften, zuletzt in Breslau, wo er 1921 zum "Dr. jur." promoviert wurde. Nach Mitarbeit in der väterlichen Anwaltspraxis arbeitete Nathan bis zu seiner Emigration 1933 als selbständiger Rechtsanwalt am Postplatz Nr. 6 in der Villa seines Vaters mit ihm und einem weiteren Anwalt und Notar, in einer Bürogemeinschaft im Parterre des dreistöckigen Hauses. Während sein Vater in der Villa am Postplatz wohnte, hatte Sohn Hans Nathan mit seiner Familie, bestehend aus seiner Ehefrau und zwei Töchtern, eine Mietwohnung in der Blumenstraße 58 genommen, bei dem die Evangelisch-Reformierte Gemeinde die Eigentümerin war. Von 1928 bis 1933 war er Mitglied einer bürgerlichen Partei, der DDP. Wegen seiner jüdischen Herkunft emigrierte er nach Machtantritt der Nationalsozialisten mit seiner Familie zunächst nach Prag und 1939 nach Großbritannien, wo er 1940 als deutscher Staatsangehöriger für drei Monate interniert wurde. In der Verkehrsverwaltung von Manchester fand er zuletzt eine Arbeit als Angestellter. Während seiner Emigrationszeit engagierte sich Nathan politisch. Beispielsweise war er Mitbegründer einer Gruppe des "Nationalkomitees Freies Deutschland" (NKFD) in Manchester.

Im September 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Ost-Berlin nieder, wo er Mitglied der SED wurde. Als Jurist fand er eine Tätigkeit in der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz und wurde nach Gründung der DDR Leiter der "Hauptabteilung Gesetzgebung" im Ministerium für Justiz und Präsident des Justizprüfungsamtes für den juristischen Nachwuchs in der DDR. Kurzzeitig leitete er die Fachzeitschrift "Neue Justiz" als Chefredakteur. Sein Ausscheiden aus dem Justizministerium der DDR 1952 wird aus heutiger Sicht unter anderem wegen seiner familiären Bindungen ins westliche Ausland (Großbritannien; USA) und nach West-Berlin begründet. Im selben Jahr wurde Nathan ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Zivilrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). In den Jahren 1954 bis 1962 bekleidete er das Amt des Dekans der Juristischen Fakultät der HU. Vor seiner Emeritierung 1966 leitete der Universitätsprofessor das von ihm 1963 gegründete Institut für Erfinder- und Urheberrecht. In seinem Sterbejahr 1971 wurde er Ehrenbürger von Görlitz.

Literatur

  • Andreas Herbst: Nathan Hans'. In: "Wer war wer in der DDR. Ein biographisches Lexikon". Hrsg. Müller-Enbergs, Wielgohs, Hoffmann unter Mitarbeit von Olaf W. Reimann und Bernd-Rainer Barth, S. 610, Spalte 1; ISBN 3-8289-0552-8
  • Ausgaben des Adressbuchs für Görlitz und Vororte bis 1949 unter "Postplatz" Nr. 6 bzw. in der NS-Zeit "Hindenburgplatz" sowie "Blumenstraße" Nr. 58
  • Breithaupt, Dirk, Nathan, Hans in: "Neue Deutsche Biographie", Band 18 (1997), S. 745

Weblinks